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Rede des französischen Präsidenten Macron beim „Institut de France“ 20. März 2018(Auszüge)

„… auf diesem riesigen Weltforum gibt es einen Boden, den die Frankophonie zurückerobern muss, nämlich den der Wirtschaft. Wenn wir auf Französisch über die Praxis dieses Austauschs und über die von mir bereits erwähnten Möglichkeiten sprechen, geht es schließlich um die Wirtschaftswelt. Als ich nach Davos kam, sprach ich zuerst auf Englisch und dann auf Französisch. Einige hätten es vorgezogen, dass ich nur auf Französisch spräche. Sich aber auf Englisch in einem Forum auszudrücken, welches die Geschäftswelt zusammenbringt, ist nicht nur nützlich, sondern zeigt auch die Weiterentwicklung des Französischen in dieser Mehrsprachigkeit, in der Fähigkeit, die Sprache des anderen zu sprechen, auch wenn diese Sprache in der Geschäftswelt dominant, sogar manchmal hegemonial, geworden ist.  Es geht auch darum diejenigen, die Englisch sprechen, anzuspornen, die französische Sprache zu verwenden, wenn es um die Werte geht, die uns leiten, und wenn wir die Globalisierung betrachten.

Es gibt also doch eine wirtschaftliche Frankophonie, deren Nutzen wiederzuerlangen ist, wie es schon in 2014 Jacques ATTALI in seinem Bericht vorgeschlagen hatte und dessen Empfehlungen heute genauso aktuell sind. Die Lösung besteht also weder darin, eine Sprache aufzuzwingen, noch auf die Rivalität der Sprachen zu spielen. Die Lösung besteht vielmehr darin, die Sprachenvielfalt speziell im Handel zu gewährleisten. Deshalb hoffe ich, dass in Europa neben der Muttersprache zwei zusätzliche Sprachen unterrichtet werden. Englisch ist nicht dazu bedingt, die einzige Fremdsprache der Europäer zu sein. Ich hoffe auch, dass unsere Handelsschulen mehr ausländische Studenten anziehen und dazu beitragen, Französisch als Geschäftssprache zu fördern. Dabei müssen auch Unternehmen ihrer Verantwortung gerecht werden.

Der Versuchung, Englisch zur Arbeitssprache zu machen, muss dadurch entgegengewirkt werden, dass die Mehrsprachigkeit und der interkulturelle Austausch gefördert werden, sonst werden die Unternehmen selbst von einer sprachlichen und daher kulturellen Uniformität überrannt, die der Welt, wie sie ist, grob widerspricht. Wir werden dabei den Unternehmen Beistand leisten – auch mit Zertifizierungsvorschlägen. Dies ist Teil der gesammelten Erfahrungen. Die Arbeitgeberverbände, Handelskammern, die diplomatischen Kreise werden sich an dieser Entwicklung beteiligen. Victor HUGO glaubte schon, dass Französisch zur Sprache Europas werden würde. Heute jedoch wäre er enttäuscht gewesen. Es hängt jedoch schließlich nur von uns ab, dass Französisch und die Mehrsprachigkeit ihren gerechten Platz wieder einnehmen, insbesondere im Europa der Wirtschaft, des Handels und der europäischen Institutionen.

Deshalb werden wir unser Sprachenbildungssystem konsolidieren, insbesondere für die europäischen Verantwortlichen. Brüssel wird Gegenstand besonderer Bemühungen sein, in Zusammenarbeit mit unseren belgischen Partnern, weil wir derzeit ein Paradoxon erleben, das angesichts der heutigen Situation ziemlich einmalig ist: in der Tat war Englisch wahrscheinlich noch nie so präsent in Brüssel wie in der jetzigen Diskussion um den „Brexit“. Diese Hegemonie ist nicht unvermeidlich, denn wir müssen einfach einige Regeln neu entdecken und bestimmte Themen besetzen, damit Französisch wieder als Schlüssel zu den vorher genannten Möglichkeiten wird. Die Frankophonie muss anderen Sprachen Raum lassen, insbesondere anderen europäischen Sprachen und allen durch die Globalisierung geschwächten oder isolierten Sprachen…“